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Der Salat der Goldschürfer

Eingetragen am | 28. Februar 2010 | 5 Kommentare

WinterportulakKalifornien, im Jahr 1850. Man hatte Gold entdeckt und alles rannte ins vermeintlich verheißene Land der Glückseligkeit, um das edle Metall zu suchen, unermesslichen Reichtum zu finden. Tausende wühlten in der Erde, kehrten das Unterste zuoberst. In ihrer Gier vergaßen sie alles – auch den Anbau von Nahrungsmitteln.

So gierig und gottvergessen die Goldsucher waren, so milde zeigte sich Mutter Natur. Überall, wo Spitzhacken die Erde aufgerissen, Schaufeln die Krume entblößt hatten, sprossen bald grüne Pflänzchen. Indianer wussten um deren Wert, dass sie gut schmecken und außerordentlich gesund sind. Und verrieten es den weißen Männern.

Und so kam es, dass viele, viele Abenteurer vor dem Verhungern gerettet wurden. Bitter arm und völlig ausgezehrt konnten sie sich dank des üppig gedeihenden Kräutleins am Leben halten. Man nennt es in Amerika bis heute miner’s lettuce, Goldschürfersalat, oder auch spring beauty, Frühlingsschönheit.

Kraut mit Rauten
Das dem Gold so holde Kraut trägt auch im Deutschen viele Namen: Winterportulak, Winterpostelein, Kubaspinat, Tellerkraut, Quellkraut, Blumendreiklapp, Grensel… – botanisch Claytonia perfoliata oder Montia perfoliata. Es trägt rautenförmige (da muss doch jeder Bayer aufhorchen!) geformte Blätter, die in dichten Rosetten stehen und eine Art grünes Nest bilden. Die Blätter sind knackig und leicht fleischig, man kann sie samt der dünnen Stiele essen. Sie enthalten reichlich Vitamin C, daneben vor allem Magnesium, Calcium und Eisen. Winterportulak ist keineswegs ein Arme-Leute-Gemüse, sondern eine absolute Delikatesse! Die Pflanze hat es inzwischen über die Karibik, Kuba (aha – deshalb also Kubaspinat) und Australien auch bis nach Europa geschafft. Man bekommt sie inzwischen sogar im tiefsten Bayern, etwa auf dem Schneiderhof in Mitterndorf bei Dachau. Hier wird sie – nur während der Wintermonate – weniger poetisch als Portulak angeboten.

Mild gesäuert
Gold muss man dem feinen Kraut wahrlich nicht auflegen. Es trägt das Gold in sich – nämlich einen feinen, milden Geschmack. Die nordamerikanischen Ureinwohner legten die Blätter früher auf Ameisenhaufen. Die Ameisen versprühten ihre Säure darauf, und so elegant gewürzt kam es „bei Indianers“ auf den Tisch. Wir träufeln heute ein Dressing darüber, angerührt mit Essig oder Zitronensaft. Außer als Salat, auch gemischt mit anderen Wintersalaten wie Feldsalat, Chicorée, Zuckerhut oder Rucola, kann man den Winterportulak auch wie Spinat zubereiten, in zu Gemüse beigeben, für Currys und Wokgerichte verwenden…

Kommentare

5 Antworten auf “Der Salat der Goldschürfer”

  1. Renate
    2. März 2010 um 16:36

    Hmh, klingt lecker. Werde mal sehen, ob der Gärtnerladen im Nachbardorf Portulak in seinem Sortiment hat.

    Liebe Grüße – von Renate

  2. Hochholzer Paula
    23. März 2010 um 11:25

    Danke Karin für Deine Interessanten Beiträge,hat mich sehr ge freut das Ich in Johannesbrunn beim Treffen der Kräuterpädagogen mit Dir Sprechen Konnte.
    Habe zur Zeit viel Arbeit mein Pflanzenweg den Ich vor meiner Haustür habe wird von der Gemeinde Beschildert.Ich darf mich beteiligen was mir große Freude bereitet. Wenn Du dazu noch eine gute Idee hast lass es mich wissen.
    Der Weg führt an einem Bach entlang und es sind viele Pflanzen enthalten wiel der vor circa 8 Jahren denaturiert wurde.Ich möchte den Weg dann für Busse nutzen wiel am Ende des Weges ein netten Wirtshaus ist. In der Gemeinde habe die Gemeinderäte überzeugen können vielleicht wird es ein größeres Projekt, was kannst Du mir noch raten. Gruß Paula Danke Ihm vorraus

  3. karin
    26. März 2010 um 11:10

    Liebe Frau Hochholzer,
    danke für Ihren Kommentar im Blog – da haben Sie ja eine schöne Aufgabe vor sich mit dem Weg.

    Wenden Sie sich doch mal an Ihre Kollegin Lisa Fleischmann in Johannesbrunn, die kann Ihnen zum Thema Gestaltung sicher noch weiterhelfen!

    Schöne Grüße
    Karin Greiner

  4. Tomwalter
    9. Juni 2012 um 19:00

    Oft war die Küche der Goldsucher eintönig, wenn nicht sogar ungesund. Was sie auf dem Auswandererschiff aßen, wurde auf die Schnelle auf dem Treck oder in den Goldclaims zubereitet. Dies war z. B. das sogenannte Hoppelpoppel – ein Gericht aus „zusammengeschmirgelten“ Resten – ähnlich der Bratkartoffel. Alle gruppierten sich um jene Gusspfanne, in der das Mal zubereitet wurde. Eigentlich fehlte die Zeit. Zudem hatten viele Goldsucher nicht den nötigen Zaster, um sich ein reichhaltiges Mal zu zaubern. Aber sie kannten den Vorzug von Sauerampfer und Sauerklee wegen des hohen Vitamin-C-Gehaltes – was die Natur der Sierra hergab, wurde genossen.
    Eigentlich war die deutsche Küche in den Staaten schon immer allgegenwärtig – Mio. von deutschen Einwanderern allein von 1850 an brachte eine Vielzahl von Kochrezepten ein. In Regionen mit großem Bevölkerungsanteil aus Deutschland rückte das deutsche Kochrezept in den Mittelpunkt. Die Goldsucher lernten aber auch die Küche der Staaten schnell kennen und schätzen. Z. B. gab es schon im 19. Jh. den amerikanischen Eisberg- oder Picknicksalat. Zutaten bei Letzterem: Bananen in Scheiben, Äpfel ebenso, Sellerie in Scheiben 1/2 St Eisbergsalat, Joghurt, Kräuter Essig, Salz u. Pfeffer. Lit.: “Das Gold der Sierra Nevada“, AAVAA-Verlag, 2012.

  5. karin
    12. Juni 2012 um 13:38

    Na das ist doch mal ein Informationsfluss – danke für all diese schönen Geschichten!

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